Stadtkirche Ravensburg

Die ehemalige Kirche eines Karmeliterklosters ist eine eindrückliche Zeugin der Zeit und bestes Beispiel für die Vorstellung des Glaubens eines Ordens von Bettelmönchen.

1544 wurde erstmalig in der Ravensburger Stadtkirche evangelisch gepredigt. 1565 waren beide Konfessionen, evangelisch und katholisch, in Ravensburg erlaubt.

Die gemeinsame Nutzung der Kirche führte jedoch zu Konflikten: Gegenseitige Lärmbelästigunge bei Messen oder eine Schafsherde im Kirchenschiff waren die Folge.

Geschichte

1344 ließ sich der Karmeliterorden in der Ravensburger Stadtkirche nieder. 1349 konnte dann schließlich die Ravensburger Stadtkirche geweiht werden, damals noch als Klosterkirche.

Um mehr über die Geschichte der Stadtkirche Ravensburg zu erfahren, klicken Sie sich unten durch die Timeline.

Das Lange Schiff

Die Größe und Weite der Stadtkirche Ravensburg sollte dazu dienen, in Demut vor Gott zu stehen und sich klein vorzukommen

Der Karmeliterorden lebte in Ravensburg in strenger Demut vor Gott. Die Kirche sollte nicht durch bunte Gemälde oder sonstigen Schmuck ablenken

Die streng gläubigen Bettelmönche des Karmeliterordens prägen das Erscheinen der Ravensburger Stadtkirche bis heute.

Betritt man die Kirche, steht man in einem unheimlich hohen und weiten Raum. Er wirkt gerade durch seine kahlen Wände und die hohe Decke größer als andere Kirchenschiffe. Auch ist die Kirche kein besonders lichtdurchfluteter Raum, wie man es aus anderen Kirchen kennt. Sie wirkt dadurch sehr einschüchternd.

Der Karmeliterorden lebte in strenger Demut vor Gott. Ihnen war es wichtig, sich auf das Wesentliche in der Kirche zu konzentrieren und sich nicht durch bunte Gemälde oder sonstigen Schmuck ablenken zu lassen. Damit ähnelte ihre Vorstellung vom Glauben der des Reformators Martin Luther.

Auch die Größe und Weite der Kirche sollte dazu dienen, in Demut vor Gott zu stehen und sich klein vorzukommen, denn Gott ist so viel größer und weiter als wir es uns vorstellen können. Die Mauern sollten verhindern, im Raum und im Glauben zu zerfließen. Wir können Gott und seine Wege nicht vollkommen verstehen. Daher hielten die Karmeliter das Kirchenschiff eher dunkel, denn es ist nicht wichtig für den Glauben, alle kleinsten Details zu sehen und zu durchleuchten.

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Der ehemalige Lettner

An den Wänden des Chorraums in der Stadtkirche Ravensburg sind noch einige Malereien und Fresken zuerkennen. Diese gehörten zu einem Lettner

Der Lettner teilte nach der Reformation Katholiken und Protestanten voneinander. Die gemeinsame Nutzung der Kirche verlief nicht immer friedlich.

An der rechten und linken Wand zum Chorraum sind noch einige Malereien und Fresken zu erkennen. Diese gehörten zu einem Lettner.

Ein Lettner sollte die Laien von den Geistlichen trennen. Im Zuge der Reformation sollte der Lettner nicht nur Laien und - in diesem Fall - Mönche voneinander trennen, sondern auch Katholiken und Protestanten: Die beiden Konfessionen mussten sich eine Kirche teilen, was nicht immer friedlich verlief.

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Der Chorraum

Tritt man durch den Chorbogen in den Chorraum wird man durch das bunt scheinende Licht in den Bann der Glasfenster gezogen, ein Meisterwerk Gottfried von Stockhausens.

Um mehr über den Chorraum der Stadtkirche Ravensburg zu erfahren, fahren Sie mit dem Mauszeiger über das Bild.

Der Chorraum

Tritt man durch den Chorbogen in den Chorraum wird man durch das bunt scheinende Licht in den Bann der Glasfenster gezogen, ein Meisterwerk Gottfried von Stockhausens.

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Der Feiertagschristus

Der Feiertagschristus in der Stadtkirche Ravensburg zeigt Jesus Christus blutend und verwundet von den Nägeln des Kreuzes, seiner Dornenkrone und Geißelungen

Der Feiertagschristus sollte die Ravensburger daran erinnern, an Sonn- und Feiertagen die Arbeit niederzulegen

Im Chorraum befindet sich an der rechten, oberen Außenwand der sogenannte „Feiertagschristus“.

Ein Feiertagschristus ist die Darstellung von Jesus Christus: Blutend und verwundet von den Nägeln des Kreuzes, seine Dornenkrone und Geißelungen.

Zudem sind hier verschiedene Werkzeuge abgebildet, wie ein Rechen, eine Axt und ein Schieber, um das Brot aus dem Ofen zu holen. Eine solche Darstellung von Jesus Christus sollte die Menschen daran erinnern, an Sonn- und Feiertagen die Arbeit niederzulegen. Denn wer die Feiertage nicht heiligt, der verletzt Jesus Christus, als ob er ihm die Nägel selbst durch seine Hände schlüge.

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Die Gesellschaftskapelle

Die kleine Kapelle, die vom Chorraum aus erreichbar ist, war früher die Verbindung der Schlafräumen der Mönche zur Kirche.

Die sogenannte Gesellschaftskapelle wurde von 1452 bis 1461 gebaut. Das große Glasfester über dem Altar enthält vier kleine Bildnisse – diese Fenster waren ursprünglich in der linken Seitenkappelle des Langschiffs.

Auf den oberen kleinen Bildern ist Maria Magdalena und neben ihr der Heilige Onuphrius zu sehen. Auf den beiden unteren Bildern sind der Heilige Fabian und die Heilige Barbara dargestellt. Der Heilige Fabian ist ein Schutzpatron der Handwerker. Die Heilige Barbara weigerte sich ihren christlichen Glauben und ihre Jungfräulichkeit aufzugeben, weshalb sie von ihrem Vater geköpft wurde.

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Altar mit Kreuz

Auf dem Altar der Ravensburger Stadtkirche steht ein Bronzekreuz des Künstlers Ulrich Henn. Der Schwäbisch-Haller Bildhauer zeigt in seinem hier geschaffenen Kunstwerk die menschliche Seite Jesu Christi.

In vielen kleinen Bildnissen im Kreuz sind einige Situationen aus dem Leben Jesu zu erkennen. Dargestellt sind auf der Querachse Szenen der Wunder Jesu aus dem Neuen Testament, alle unter einem Motto vereint: Jesus begegnet Menschen. Die Längsachse beschreibt das Leben Jesu in seinen einzelnen Stationen, beginnend ganz unten, mit seiner Taufe. Dies ist in der Bibel auch der Beginn des Markusevangeliums. Am oberen Ende des Kreuzes ist der Auferstandene abgebildet. In der Mitte läuft beim gekreuzigten Jesus alles zusammen, hier stirbt Jesus am Kreuz für unsere Sünden.

„Es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.“ Mk 1, 9-11

Auf dem Kreuz in der Stadtkirche Ravensburg sind viele kleine Bildnisse aus dem Leben Jesu zu erkennen

Bronzekreuz des Künstlers Ulrich Henn

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Die St. Anna Kapelle

In der St. Anna Kapelle in der Stadtkirche Ravensburg sind Darstellungen von Anna, der Mutter Marias, Maria und Jesus zu sehen

Namensgeberin für die Kapelle ist Anna, die als Mutter Marias angesehen wird

Die linke Seitenkapelle vor der Orgel nennt sich St. Anna-Kapelle.

Ursprung der Namensgebung ist eine Konsole in der linken oberen Ecke der Außenwand. Dargestellt ist hier ein "Selbdritt". Selbdritt ist ein altes Wort für „Teil einer Dreiergruppe“.

Diese Gruppe besteht in diesem Fall aus Anna, die in der Zeit nach der Entstehung des Neuen Testaments als Mutter Marias angesehen wurde, neben Maria, der Mutter von Jesus Christus, und Jesus selbst stehen. Es ist sozusagen eine Darstellung von drei Generationen.

In der Bibel gibt es keine Belege oder Erzählungen über die Großeltern Jesu mütterlicherseits. Künstler, die dennoch die Mutter Marias darstellen, beziehen sich auf sogenannte Apokryphen. Das sind Schriften und Texte, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Bibel mit aufgenommen wurden. Darunter auch ein "Evangelium von Petrus".

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Die Orgel

Die Orgel in der Stadtkirche Ravensburg zählt 1144 Pfeifen

Die Orgel kam 1976 in die Stadtkirche Ravensburg

Die Orgel der Ravensburger Stadtkirche stammt von den Orgelbauern des Familienunternehmens Weigle aus Echterdingen. 1976 kam die Orgel mit ihren 1144 Orgelpfeifen nach Ravensburg.

Das hohe Fenster hinter der Orgel kam gemeinsam mit den Fenstern im Chorraum in die Kirche. Der Glasmaler Hans Gottfried von Stockhausen erschuf zu Lebzeiten weltweit über 500 Glasfenster. Zu seinen berühmtesten zählen auch die Fenster des Ulmer Münster.

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Ulrich Henns Mandorla

In der Ravensburger Stadtkirche hängt statt eines Kruzifix eine Mandorla über dem Altar. Eine Mandorla bezeichnet in der Kunstgeschichte eine Aura, vergleichbar mit einem Heiligenschein

Anstelle eines Kruzifixes hängt über dem Altar ein Kunstwerk Ulrich Henns

Das Kunstwerk von Ulrich Henn, das anstatt eines Kruzifixes über dem Altar hängt, nennt sich „Christus in der Mandorla“.

Eine Mandorla bezeichnet in der Kunstgeschichte eine Aura, vergleichbar mit einem Heiligenschein. Allerdings erstreckt sich die Mandorla meistens mandelförmig oder ellipsenförmig rund um den ganzen Körper und nicht wie ein Heiligenschein nur über dem Kopf.

Das Besondere an dieser Mandorla sind die Engel, die die Mandorla ausfüllen und Jesus bei seiner Auferstehung in den Himmel begleiten.

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Öffnungszeiten, Gottesdienst, Kontakt und weitere Informationen